2. Platz: Stadt Neuenrade

„Kommunales Medizinisches Versorgungszentrum“



Wie vielen ländlichen Kommunen droht Neuenrade ein Ärztemangel. Mit der Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums steuert die Stadt im Sauerland erfolgreich dagegen und wird attraktiv für junge Allgemeinmediziner, die sonst Investitionskosten, Risiken und unflexible Arbeitszeiten bei eigenen Praxisgründungen scheuen.

Die Situation in Neuenrade ist stellvertretend für die medizinische Versorgung der meisten Kommunen auf dem Land. Sechs Allgemeinmediziner mit hohem Alter waren 2018 noch in der knapp über 12.000 Einwohner zählenden Stadt im Nordwesten des Sauerlands tätig. Tendenz sinkend: keine Nachfolgeperspektiven, keine externen Interessenten. Drei der sechs Praxen werden bis Ende 2020 schließen.

Hohe Investitionen, überdurchschnittliche, unflexible Arbeitszeiten und finanzielle Risiken gehören zu den Gründen, warum viele junge Ärztinnen und Ärzte den Betrieb einer eigenen Praxis scheuen. Nach intensiven Analysen und Diskussionen mit allen Beteiligten wurde in Neuenrade mit der Entwicklung eines Medizinischen Versorgungszentrums eine Lösung gefunden.

Die Kommune betreibt selbst die Praxis, die Ärzte sind fest angestellt bei der kommunalen Gesellschaft, einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Deutlich geringere finanzielle Investitionen für Berufsanfänger, ein sicherer Arbeitsplatz, der kollegiale Austausch sowie eine hohe Familienfreundlichkeit über Teilzeitbeschäftigung sind nur einige der vielen Vorteile dieses Modells. Ändert sich die familiäre Situation des Arztes, können Stundenkontingente flexibel angepasst werden. Abrechnungen und Verwaltungstätigkeiten werden in Arbeitsteilung oder über zusätzliche Kapazitäten durchgeführt. Die Kommune selbst ist über die Aufsichtsgremien der Gesellschaft, direkt an relevanten Entscheidungen beteiligt.

Das kommunale Medizinische Versorgungszentrum in Neuenrade hat Anfang 2020 seine Tätigkeit aufgenommen. Die Bevölkerung nimmt dieses Angebot sehr gut an. Als nächster Schritt werden weitere Fachkräfte angeworben. Die räumliche Situation im vorhandenen Zentrum bewegt sich an der Kapazitätsgrenze. Auch hier ist mittelfristig eine Lösung zu finden. Aktuell wird die Variante eines zweiten Standorts diskutiert.